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Volkskunstschaffender Bruno Paul

Dem Künstler und Wahl-Ellefelder zum 25. Todestag
(1903 - 1992)

Es war nicht nur ein Verlust für Ellefeld, sondern für das ganze Vogtland, als Bruno Paul am 4. Februar 1992, vor nunmehr 25 Jahren, uns für immer verlassen hat. Mit ihm ging ein Stück Vogtland-Heimat. Der weit über die Grenzen seiner Falkenstein-Ellefelder Heimat hinaus Bekannte war ein Freund und Diener seines Vogtlandes. „Der ist in tiefster Seele treu, der die Heimat liebt“, so haben es Freunde, Besucher und Gäste über seiner Wohnungstür gelesen – sein Leitspruch und Maxime seines Handelns.


Bruno Paul wurde am 17. Juli 1903 in Falkenstein geboren, er war der zweitälteste von insgesamt acht Geschwistern. Hineingeboren in eine Fotografen-Familie, der Vater Otto Paul war Gardinenzeichner und Meister des Fotografenhandwerks, folgte er dessen Fußstapfen. Nach dem Besuch der Freiherrlich Trützschlerschen Stiftungsschule in Falkenstein nahm er im väterlichen Betrieb eine Fotografenlehre auf und besuchte nebenher die Falkensteiner Außenstelle der Plauener Kunstschule. Bereits frühzeitig entdeckte er seine künstlerische Ader und experimentierte mit Fotoaufnahmen - zunächst mit der Plattenkamera, später mit der Kleinbildkamera. Seine Leica hat ihn immer begleitet. Aber auch mit Stereo-, Panorama- und Schmalfilmkamera kannte er sich aus. Viele künstlerisch wertvolle Ergebnisse sind uns erhalten geblieben. Neben dem Fotoapparat waren bei Ausflügen und Exkursionen auch immer Blei- und Farbstifte sowie der Malblock dabei, zu Hause setzte er die Motive künstlerisch geschickt in Zeichnungen, Aquarelle und Gemälde um, aufwändiger waren ein- und mehrfarbige Holzschnitte, von denen uns neben Abdrucken auch viele Druckstöcke vorliegen. Aber auch Kaltnadelradierungen und Steindrucke stammen von Bruno Paul. Mit Holz wusste er umzugehen: Flachreliefs und figürliches Schnitzwerke künden davon. Es gibt wohl kaum eine künstlerische Ausdrucksform, in der er sich nicht probierte und erfolgreich war. In seiner beruflichen Tätigkeit war er Fotograf und Grafiker. In Auftragsfotografien - vom Porträt bis zum Familienfoto - offenbarte er sein Können. Werke seines grafischen Schaffens sind Firmenlogos, Briefköpfe, Plakate, Einladungen, Illustrationen von Mundart-Büchern. Wir erinnern uns noch immer an die wunderbaren Holzschnitte auf den Titelseiten des „Auerbacher Kulturspiegels“. Die Vielfalt seines Schaffens aufzuzählen ist fast unmöglich. Die Motive seiner Werke suchte er in seiner unmittelbaren Umgebung. Die ersten Frühjahrsblumen, ein vogtländisches Bauernhaus, vom schweren Leben gezeichnete Bauersleute, lachende Kinder, ein Starenkasten am Apfelbaum, der geliebte Vogtlandwald.

Bruno Paul war bodenständig, seine weiteste „Reise“ machte er unfreiwillig, als Soldat des zweiten Weltkrieges nach Osteuropa. Große Teile seines Lebenswerkes sind uns im Fundus der Ellefelder Heimatfreunde erhalten, vieles hat er an Freunde und Bekannte verschenkt. Und Freunde hatte er überall. Seine geistige Heimat waren die „Burgsteinfreunde“, eine Gruppe künstlerisch und philosophisch Interessierter, die sich regelmäßig zu Wanderungen zum Burgstein trafen. Bei den Falkensteiner Schnitzern war er zu Hause und bei den Ellefelder Heimatfreunden war er Gründungsmitglied.

Uns wird Bruno Paul unvergessen bleiben, in unserer Erinnerung lebt er als bescheidener und liebevoller Mensch, der seine große Liebe zur Vogtlandheimat in künstlerisch wertvolle Werke auszudrücken vermochte.


Text: Horst Teichmann
Fotos: Archiv Horst Teichmann
(Quelle: Ellefelder Bote Januar 2017)

Bruno Paul Portrait
Bruno Paul Werk 1
Bruno Paul Werk 2
Bruno Paul Werk 3